Mein letztes Einkaufserlebnis, bei dem ich auf der Suche nach einem passenden Paar Wanderschuhen war, zeigte mir ziemlich ernüchternd die eigentlichen Probleme, mit denen der Einzelhandel wirklich zu kämpfen hat.
Die Ausgangsparameter waren meinerseits klar definiert. Ein Schuh, der sowohl für mittlere Wandertouren als auch für Wanderungen im hochalpinen Gelände geeignet sein musste. Ein Schuh mit einem guten Tragekomfort, wasserdicht, leicht und der auch bei längeren Touren nicht drücken sollte. Zu guter Letzt sollte der Schuh - wenn möglich - in Deutschland oder Österreich produziert worden sein. Dafür war ich auch bereit, einen Betrag von bis zu Euro 250 auszugeben.
Aufgrund einer zu erwartenden Fachberatung war für mich im Vorfeld klar, dass dies nur über den Fachhandel zu einem wirklichen Erfolg führen konnte. Eben genau so, wie wenn man eine Wandertour vorbereitet. Je besser die Planung, desto weniger Probleme und umso größer der Genuss. Was ich dann aber infolge erlebte, war ein Schauspiel beginnend von Unfähigkeit bis hin zur Inkompetenz.
Im ersten Fachgeschäft hat man meine Anwesenheit offenbar gar nicht bemerkt, weil die Mitarbeiter zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Also zog ich ungerichteter Dinge weiter zum zweiten Fachgeschäft. Dort bediente mich zwar eine nette Dame, mit der ich mich aber ebenso gut über das Wetter der nächsten Tage hätte unterhalten können. Im dritten Anlauf traf ich auf, sagen wir dazu fehlende Kompetenz verbunden mit einem mir unverständlichen Sortiment an fehlenden Standardgrößen. Erschreckend dann die Aussage, dass man ja die passende Größe bestellen könnte. Nun sollte man aber spätestens an dieser Stelle auch wissen, dass gerade Wanderschuhe einer genauen Passprobe unterzogen werden sollten. Abgesehen davon, dass ich eine Bestellung auch über jede Menge Internetshops selbst in Angriff hätte nehmen können.
Der letzte Versuch - wohlgemerkt immer noch in einem Fachgeschäft - wurde dann durch Ignoranz und Unhöflichkeit bestraft. Zudem war exakt derselbe Wanderschuh, der im vorigen Fachgeschäft leider nicht vorhanden war, hier zwar im Regal, aber unverständlicher Weise um 60 Euro teurer. Die Frage, warum ich hier auch nur einen Euro hätte liegen lassen sollen, war für mich recht schnell beantwortet.
Nach einem halben Tag, einigen gefahrenen Kilometern und vier vergeblichen Versuchen, einen passenden Wanderschuh zu ergattern, beschloss ich noch schnell im Vorbeifahren an einem Fachmarkt einer Sportartikelkette Halt zu machen. Mir war klar, dass ich mit einer Fachberatung auch dort nicht rechnen konnte. Dass sich aber diese Annahme infolge als Irrglaube darstellte, wurde recht schnell klar, als sich ein junger Mann meiner Sache annahm.
Das erste Mal hörte mir jemand zu und erklärte mir, worauf ich zu achten hätte. Keiner dieser zuvor vier genannten Fachverkäufer des Fachhandels konnte mir nur annährend das vermitteln, was dieser junge Mann mir in kurzer Zeit sehr freundlich, hilfsbreit und äußerst kompetent beantwortete. Dies führte dazu, dass ich mich für einen Kauf entschied. Nicht dass dieses Produkt dort billiger war, als im Einzelhandel. Nein, der Wanderschuh wurde exakt zum selben Preis verkauft, wie er auch im Einzelhandel an den Mann bzw. Frau gebracht wird.
Für mich stellt sich die Frage, wer in diesem Fall die Kompetenz und das Wissen besitzt, um seine Kunden auch zu befriedigen. Ist es der Fachhandel oder ein Fachmarkt einer ganzen Kette? In meinem Fall war es mit Sicherheit nicht der Fachhandel. Für mich sind viele Probleme des Einzelhandels schlicht und einfach selbst gemacht. Denn zwischen Theorie und Praxis, oder besser gesagt zwischen Jammern und Tun klafft hier eine große Lücke.
Dies ist mit Sicherheit nur ein Beispiel. Und ich bin mir ebenso sicher, dass es in vielen Fachgeschäften auch anders läuft. Aber, wenn sich der Fachhandel nicht bewusst wird, dass Kunden genau deshalb bei ihnen kaufen, weil sie dort die Kompetenz und Fachberatung erwarten, tun sie gut daran, dies auch unter Beweis zu stellen. Denn sonst passiert dieser Spießrutenlauf nicht nur mir, sondern auch vielen anderen. Was zur Folge haben könnte, dass Jammern alleine auch irgendwann nichts mehr ändern wird können.
Neueste Kommentare