Auf meinem Weg durch die Brand eins Liebe bin ich neben der schon erwähnten Anzeige in Sachen Teuronade auf ein Interview mit Ulrich Hemel getroffen. Der Titel “Kapitän des Lebens-Schiffes” weist darauf, dass es um die Persönlichkeit von Mitarbeitern geht und diese in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird. Die zunehmende Verknappung von qualifizierten Arbeitskräften schreitet voran und so werden Unternehmen immer mehr Aufwand betreiben, um entsprechend gut passende Mitarbeiter zu finden. Arbeitnehmer werden dagegen wieder in die Lage versetzt ihren Arbeitsplatz freier zu wählen und diesen deutlich mehr gestalten zu können. Das wird soweit gehen, dass die zentralen Unternehmensstrategien von diesen Veränderungen stark beeinflußt werden.
Und was hat das jetzt mit Liebe, Lust und Leidenschaft zu tun? Parallel zur Verknappung der Mitarbeiterressource nimmt der Bezug zu Religion, Parteien und/oder andere Organisationen stetig ab - genauso wie der zur traditionellen Familie. Viele Menschen orientieren sich in dieser entstandenen Lücke wiederum mehr in Richtung ihres Arbeitsplatzes. So bekommt die Zufriedenheit im Job einen neuen, deutlich höheren Stellenwert. Wenn dann in dieser Situation ein Unternehmen die o. g. Gefühle nur instrumentalisiert und gar nicht lebt, dann wird das schnell zu einer Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern führen, die diesen Konflikt zwischen innen und außen sehr schnell wahrnehmen.
So werden Claims wie “Leistung aus Leidenschaft”, “Wir lieben es” oder “Liebe jeden Tag”, die einfach so in der Kommunikation gesendet werden, zukünftig auch eine intensive Reflektion in das Unternehmen hinein benötigen. Eine große Herausforderung für Marketingabteilungen, die in diesen Dingen wohl eher weniger Erfahrungen haben. Aber ein Burger, der nicht nach liebevoller Zubereitung aussieht, ein Hotline-Gespräch, bei dem der Kunde sich als der Depp fühlt oder ein schlapper Sachbearbeiter, der Leidenschaft transportieren soll - all das kann und darf es nicht mehr geben. Oder anders ausgedrückt - wen das als Unternehmen nicht kümmert, wird zukünftig wahrscheinlich nicht nur ein Problem mit seinen mündigen LOHAS-Kunden bekommen, sondern womöglich auch mit seinen Mitarbeitern. Oder wie sehen Sie das?
TagsLOHAS, Mitarbeiter, Strategie, Verknappung, Zukunft
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http://blog.zunftnetz.org/2008/08/16/instrumentalisierung-von-liebe-lust-und-leidenschaft-und-die-folgen/trackback/
9. September 2008 um 07:19
Pingback from Zunft[blog] · Vielleicht ein attraktiver Arbeitgeber: Alnatura.
16. August 2008 um 18:28
c.hinderfeld
Da sind wir nun gefordert, uns einige Gedanken zu machen, welche Firmen den hier angesprochenen Gedanken Genüge tun - sowohl was die Qualität der angebotenen Produkte und Dienste angeht, aber auch was den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern und den Kunden betrifft, ich habe schon einmal angefangen, eine Liste einiger aus meiner Sicht geeigneter Zunft[orte]-Partnern anzulegen, die man bei Zunft[wissen] finden kann. Ich freue mich hier über Ergänzungen.