Ohhhhh … mal wieder eine Anzeige in der DIE ZEIT. Diesmal sogar zwei Seiten – obwohl die Überschrift ja lautet, dass Großes eher “klein” anfängt. Mhhhhh. Und überhaupt … wenn ich da so grob über die Punkte schaue … was daran ist genau klein?
Oh, die Telekom beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und spricht in diesem Zusammenhang von Selbstverpflichtung! Das ist doch super! Und auch die Punkte lesen sich nicht so schlecht. Verantwortung … bahh! Die Telekom als Enterprise 2.0. Da werden eine Menge Anderer – jetzt wo ein Beispiel da ist – wohl auf den Zug aufspringen, auch in Nachhaltigkeit machen. Oder? Oh Telekom unser Vorbild … nur zu!
Nun, ich habe mich nicht nur gefragt, was diese Mega-Anzeige mit “klein” zu tun hat, ich frage mich auch, wozu die Telekom das mit Utopia macht? Der Wandel zur Nachhaltigkeit – wir nennen das ja lieber Zukunftsfähigkeit – fängt doch zunächst innen, in der Telekom an. Wozu braucht es da ein Unternehmen, das vermeintlich nachhaltige Verbaucher, die strategischen Konsum betreiben, organisiert? Verstehe ich nicht. Und mir ist nicht nur das aufgefallen … wie man aus meinen Anmerkungen mit Kuli in der Anzeige selbst sehen kann.
Ich sinniere noch immer über die Vielfältigkeit dieses “wir” in den unterschiedlichen Sätzen nach. Da die Anzeige von keinem unterzeichnet ist, ist das unklar. Mal scheint “wir” die Führungsriege, mal die Telekommitarbeiter, mal die Telekom und Ihre Kunden gemeinsam zu sein? Wer spricht in dieser Anzeige denn nun zu mir? Ich könnte mir jetzt den Spaß machen und einmal die Telekom-Hotline anrufen … gesagt, getan. Die Dame am Telefon verstand nur Bahnhof … welche Anzeige? … wie Nachhaltigkeit und Verantwortung? … in der DIE ZEIT? … nein zu dem “wir” kann ich Ihnen auch nichts sagen, ich kenne die Anzeige und die Aussage darin gar nicht! Und wie sich das auf mich als Kunden auswirken soll, wie in der Anzeige beschrieben, wußte die Dame auch nicht – obwohl sie doch die Schnittstelle zum Kunde ist! Na … Ehrlich: Ich hatte keine Lust auch noch auf die angegebene Internetseite zu schauen … dann würde der Artikel hier womöglich noch länger werden. Bewahre!
Ich habe da mit dem Hotline-Anruf etwas probiert. Ich habe Dialog probiert. Und genau dieses Wort … fehlt in der Anzeige. Wir können nachprüfen, sie werden sich selbst prüfen, sie werden mich als Kunden mit verändern … nur sprechen werden sie nicht mit mir, mich nach meiner Meinung und meinen Wünschen fragen auch nicht. Na ja, Nachhaltigkeit ist eben ein heeres Ziel, was kann der einzelne kleine Kunde dazu schon beitragen, was dazu sagen? Recht haben Sie Herr Obermann!
Wenn Sie, Herr Obermann, zusammen mit Ihren Führungskräften und Frau Langer von Utopia Nachhaltigkeit in Ihre gesamte Wertschöpfungkette und Ihre Geschäftsprozesse integrieren, wie Sie versprechen, warum haben Sie nicht bei der Hotline angefangen? Haben Sie nicht damit gerechnet, dass Kunden Fragen zur Anzeige haben oder sind Sie einfach schlecht beraten worden? Wir hätten Ihnen gesagt, dass der Kundendialog im Vordergrund eines solchen Projektes stehen muss … über allem. Und logischerweise muss man dort beginnen – vor allem wenn man solche Anzeigen schaltet. Auch die Damen und Herren Verkäufer im T-Punkt sollten entsprechend Bescheid wissen … am besten sollten sie Auswirkung dieser beschriebenen Telekom-Verantwortung schon selbst gespürt haben – und nicht nur Infos per Dienstanweisung oder Intranet. Na, dann mache ich mich mal auf den Weg … zum nächsten T-Punkt … allerdings berührt mich der Gedanke des greenwashing (grünwaschen) schon jetzt ziemlich intensiv – mit und auch ohne Utopia.
TagsBeispiele, Greenwashing, Grünwaschen, Nachhaltigkeit, Organisatorische Nachhaltigkeit, Telekom, Verantwortung, Wertschöpfungsketten


4 comments
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29. April 2010 um 16:38
Pingback from Tweets that mention Hey, diesmal etwas zur Selbstverantwortung der Telekom in wichtiger Sache grüngewaschen … — Topsy.com
29. April 2010 um 16:59
Olli Selaff
… und dann auch noch eine schlechte Kampagnen-Bewertung. Puuuhhhh!
http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Telekom-Kampagne-Klein%2C-belanglos-und-beinahe-provinziell_91874.html
Na ja … dann!
29. April 2010 um 17:39
Bernd Vonhoff
Sehr guter Artikel. Dieser gehört eigentlich – mindestens als Leserbrief – in DIE ZEIT. Aber ich denke, sie werden sich nicht wagen, diesen zu veröffentlichen. Von wegen freier Journalismus. Sie werden sich nach dem bezahlenden Anzeigenkunden richten. Der Beitrag ist wirklich originell entlarvend, besonders mit dem Anruf im Call-Center, weil bereits dies an der Glaubwürdigkeit der eigenen Aussagen der Telekom zweifeln lässt: “Wir beziehen unsere Mitarbeiter aktiv ein und wollen sie für Nachhaltigkeit begeistern”. Deshalb erfahren diese von der neuen Intention ihres Arbeitgebers auch erst durch eine Zeitungsanzeige?
Viele Grüße, Bernd Vonhoff, Hamburg
13. Mai 2010 um 00:13
Sinnstifter
Nun, im Magazin der Süddeutschen gab es einen Abgesang auf “die Werbung”. So ist es schließlich nicht verwunderlich, dass sich die “kreativen” Spielchen der Werber so leicht entlarven lassen. Das war schon immer so, nur hat´s eben keiner wahr haben WOLLEN. Oder das Wahre spielte eben keine große Rolle. Daran läßt sich Bewußtseinswandel messen. Aber wenn man sich überprüft (ab jetzt ich mich selbst: überprüfe).. stelle ich fest: ich halte die Anderen gerne für dümmer als mich selbst; aber es kann mir dabei leicht passieren, dass ich die wirkliche Strategie der eingesetzten Unwahrheit oder der gespielten Dummheit nicht erkenne. Und ich bin gespannt, wie dialogisch wir uns weiter entwickln.