… heißt ein Artikel im Bereich Politik der Ausgabe der Die Zeit vom 20.11.08 von Susanne Gaschke - allerdings ohne das “?”, das ist von mir. Der Untertitel macht es ein wenig klarer um was es gehen soll: “Das Internet formuliert die neue Verheißung des Kapitalismus: Grenzenloses Wissen, für alle, gratis? Lasst euch nicht verführen!”
Liebe Frau Gaschke,
ich glaube nicht daran, dass die Ausbreitung des Internets unmittelbar gleichzusetzen ist mit einem Weg zu Wissen und Wohlstand für alle. Warum auch? Es gibt viele Menschen, die essentiellere Dinge im Kopf haben, die mit essen und trinken zu tun haben - denen würde ein PC mit Internetzugang auch nicht viel helfen. Es sei denn, das Internet wüsste wo es denn gerade etwas zu jagen gäbe oder böte eine eCommerce-Lösung für die Bestellung einer kostenfreien Lieferung sauberen Wassers - leicht gekühlt ohne Blubber inmitten der afrikanischen Steppe.
“Bindet nicht das Netz soziale Energie in virtuellen Pseudogemeinschaften; Energie, die im real life dringend für echte Politik gebraucht würde? Nutzen die Nutzer die gewaltigen wissenschaftlichen und politischen Informationsmöglichkeiten des Internets überhaupt?” Diese letzte Annahme oder Frage mit einem Verweis auf die Suchbegriffe bei Google 2005 quasi negativ zu beantwortet finde ich reichlich plakativ und gewagt. Ein spannendes Experiment wäre es, wenn wir das Internet einfach mal sechs Monate abschalten würden, um zu schauen, ob dann die sozialen zwischenmenschlichen Kontakte und vielleicht auch eine echte Politik wieder aufleben würden. Auch hier überzeichnen Sie in Ihrem Artikel. Eine so starke Kraft hat das Internet (noch) nicht und wenn überhaupt trifft das nur ein wenig die Generation Internet zu. Aber wir haben im Moment ja noch weitere Generationen am Start - mit einer Betonung im Bereich 50+.
Anschließend bemühen Sie Renate Köcher, Chefin von Allensbach: “Eine Gesellschaft, die teilweise auf kontinuierliche Information und Urteilsbildung verzichtet, wird spontaner, in der Urteilsbildung beweglicher, sogar sprunghafter und anfälliger für Manipulation.” Ich kann große Teile dieser Aussage auch sehr positiv sehen. Allerdings mit einem Blick in die Vergangenheit, zeigt sich meiner Meinung nach, dass die Presse und die Medien mit Produkten wie der Bild-Zeitung oder Sendungen wie Monitor oder Report genauso manipulieren konnten - ohne dass sich einer ein alternatives Bild machen konnte. Heute sind diese Alternativ-Quellen nur einen Klick entfernt und ich kann auch einfach meinen Kumpel in Australien oder den Onkel in den USA nach seiner Wahrnehmung und Einschätzung zu Meldungen und Berichten befragen - binnen Minuten oder Stunden. Und auch heute manipulieren die Medien noch immer massiv diese “anfällige und sprunghafte Masse” - Internet hin oder her.
Wir schreiten fort und gehen voran. Dabei bleibt vieles zurück. Das trifft dann den sündhaft teuren Brockhaus, den ich mir eh nie leisten konnte, analoge Fotos, Vinyl-Platten, CDs und vielleicht auch Bücher. Und natürlich gibt es immer Menschen, die das bedauern. Ich sehe diese Entwicklung eher pragmatisch als dogmatisch. Es passiert … und ich kann “es” ja so handhaben, wie ich es für richtig halte und eben unbedingt den letzten Brockhaus für meine Bibliothek kaufen.
Bei Ihrem Fazit, liebe Frau Gaschke, bin ich dann wieder bei Ihnen: “Es geht darum, dass freie Menschen das Recht haben, Technik zu benutzen, ohne sie anbeten zu müssen.”
Das ist richtig und gut - und es ist auch richtig, dass Deutschland noch sehr weit entfernt ist von einer digitalen Bedrohung oder der notwendigen Erlösung. Eher das Gegenteil ist der Fall und eigentlich müssten wir Schülern, Schulen, älteren Mitmenschen und der derzeit führenden Generation, zu der ich auch gehöre, noch mehr auf das digitale “Pferd” helfen. Zumindest wenn ich mich in der Welt umschaue und tagaus, tagein bemerke, wie wenig die Menschen in meinem Umfeld von den Wiki’s, Facebooks, amazon’s und eBays dieser Internet-Welt eigentlich wissen. Und ich möchte betonen, dass unsere 3 Kinder allesamt Waldorf-Einrichtungen besuchen.
Nichts für ungut Fr. Gaschke. Das war jetzt Widerspruch im Zunft[blog] statt an widerspruch@zeit.de.
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