Mir schien der Freitag als Abschluss einer arbeitsreichen Woche sehr geeignet für ein wenig Geschichte. Eine (zugegeben etwas längere) Geschichte von mir und meiner Entwicklung.
Ich bin das erste Mal vor knapp 12 Jahren - im Sommer 1996, dem Geburtsjahr meines Sohnes - auf das Thema Wissensmanagement aufmerksam geworden. Damals bewegte ich mich schon seit gut 3 Jahren im Internet (im wesentlichen mit CompuServe), das Wort “Intranet” machte in der Firma (Beiersdorf AG, Sparte tesa heute tesa AG) die Runde und in diesem Zusammenhang trieb es mich um, dass hier viel Potential für wissensintensive Unternehmensbereiche wie die F&E schlummerte.
Ich belegte dann 1997 eine ZfU-Veranstaltung in Zürich eben zum Thema “Wissensmanagement”, die in Zusammenarbeit mit einigen Klassenbesten (u. a. Ciba Geigy, Lotus, Uni St. Gallen) in diesem Bereich und damals noch Arthur Andersen Consulting realisiert wurde. Diese Veranstaltung war der auslösende Moment für meine weitere Bemühungen auf diesem Gebiet. Heute versuche ich “es” Wissens-Konversationen zu nennen, weil das managen hier eben schwer ist.
Ich habe dann in der Folge sowohl die Realisierung des weltweiten tesa Intranets “tesaSKY” als auch das Projekt “Wissensmanagement in der F&E tesa” maßgeblich initiiert. Beides war für damalige Verhältnisse fortschrittlich, die Strukturierung des Wissensmanagement mit Hilfe von sog. Wissenslandkarten ist bis heute hoch aktuell.
Im hier und jetzt haben wir Wiki’s und Facebooks - Social Software - die wir damals gerne gehabt hätten. In diesen Werkzeugen ist Zusammenarbeit und Wissensteilung quasi bereits in der System-DNA enthalten. Wir haben das damals mühsam über Datenbanken und Web-Oberflächen konstruieren müssen. So haben ich in den letzten Jahren mindestens 5 Wiki’s aufgesetzt, blogge kräftig herum und wende mich einem intensiveren Studium von Facebook zu. Facebook als firmeninternes Werkzeug Hand in Hand mit Wiki’s und Blogs und Twitters und YouTubes. Ach ja, im Zuge des Aufbaus des tesa Intranets schufen wir auch schon 1998 eine Video-Stream-Plattform - mit der direkten Unterstützung von Microsoft in den USA. Damals für immerhin bis zu 50 gleichzeitige Zugriffe - Steinzeit-YouTube für DM 200.000.- ohne Hardware.
Warum erzähle ich das alles? Ganz einfach: In fast allen Projekten bin ich an dem Punkt vorbei gekommen, der Kultur oder Soft Facts oder soziale Akzeptanz hieß. Zu oft haben wir diesen Punkt dann Zugunsten von ja so wichtigen “Strukturen”, konkreten und vor allem messbaren Ergebnissen einfach so links liegen lassen. Frei nach dem Motto “Wenn wir gute Arbeit leisten, werden die Menschen schon unsere Systeme schon nutzen und unser Denken teilen”.
Heute weiß ich, dass das falsch war. Nur: Als junger und ambitionierter Mensch, der schon immer leicht fordernde und revolutionäre Züge hatte, fand ich keinen Zugang zu diesen kulturellen Dingen. Konnte ich vielleicht auch gar nicht. Aber auch die Beraterschar und die hochdotierten Manager (damals mit verantwortlich für das Intranet, dann doch relativ schnell im Vorstand von Beiersdorf) hatten da kein Rezept. Machen war angesagt. Ich hatte zwar damals schon einen Draht zum Change-Manager Bruno Krieg aus Basel, hatte ihm auch schon ein Ticket Richtung Hamburg besorgt, dann aber kam die Ausladung. Kultur war damals halt etwas nicht fassbares, unkontrollierbares. Womöglich hätte ein Mitarbeiter ja mal seine Sicht der Dinge schildern können. Wenn man heute an Mitarbeiter-Blogs denkt, wäre man damals sicher bei einem bloßen Gedanken daran geteert und gefedert worden. Das obwohl ja bereits parallel 1999 die Geburtsstunde des Cluetrain Manifest war - allerdings in den USA.
Heute beschäftige ich mich mit OpenSpace, Neuem Denken und mit dem Wandel. Es mag der Generations- und Gesellschaftentwicklung - und meinem Alter - geschuldet sein, aber heute hören mir die Menschen zu, obwohl ich nicht viel anderes sage als früher. Und oft höre ich dann ein “da bist Du Lichtjahre voraus” - immer noch. Shift happens - der Wandel geschieht. Und damit schrumpfen Lichtjahre schon mal auf eine erträgliche Monatsgröße zusammen - das hat sich im Gegensatz zu vor 12 Jahren nachhaltig verändert - sogar ein schwarzer US-Präsident ist möglich. Heute kommt für mich an erster Stelle Kultur, Vertrauen und Spaß - und wenn das gelingt, schreien die Menschen förmlich nach Werkzeugen aus der Social-Software-Ecke. Aber der Fall von Molly zeigt auch, dass auch User selbst darauf kommen können, dass Wiki’s & Co. helfen können viel Arbeit zu sparen und nebenbei helfen ein Unternehmenswissen abzubilden. Man muss es ja nicht gleich strategisch im Sinne der Wikinomics sehen.
Es mag gleichförmig und überflüssig klingen, aber ich freue mich auch bei diesem Artikel über Kommentare und Anmerkungen oder gar Ihre eigenen Geschichten.